Die Firma Toloop in Apolda schließt zum Jahresende           für immer das Werktor 

 

20.09.2014 - 03:43 Uhr

 

Apolda. Die Mitarbeiter des Strickmodenherstellers erhielten ihre Kündigungen. Energie- und Mietkosten sowie der Mindestlohn stellen die Wirtschaftlichkeit infrage.

Manuela Thaeder (Foto) gehört zu der noch verbliebenen Mannschaft. Auch ihr wurde gekündigt. 

  

Fozo: Toloop
Fozo: Toloop

 

 

Zum Jahresende wird die Firma "Toloop Strickmoden & Design" ihren Betrieb einstellen. Das erklärte Geschäftsführer Mario Hammerschmidt gegenüber unserer Zeitung. Es handele sich nicht um eine Insolvenz, sondern um das geregelte Auslaufen des Geschäftsbetriebes.

 

Für diese unternehmerische Entscheidung gebe es mehrere Gründe. Zum einen nannte er den ab 2015 geltenden Mindestlohn, der die Möglichkeiten der Firma überfordere, schließlich müssten in der Folge jährlich rund 100.000 Euro mehr zum Begleichen der Lohnkosten aufgebracht werden.

 

Seit längerem machte Firma nur Lohnarbeit

 

Zweitens brachte Hammerschmidt die steigenden Energie- sowie die Mietkosten für das Objekt am Weimarer Berg an. Hinzu komme drittens, dass man seit geraumer Zeit ohnehin nur noch in Lohnarbeit produziere. Dabei seien die Gewinnmargen für den Herstellerbetrieb relativ gering, obgleich man doch ausschließlich für das hochpreisige Segment gefertigt habe. Kunden habe man in Österreich und der Schweiz genauso wie inBayern, im Stuttgarter Raum und in England.

Vor wenigen Jahren brachte Toloop noch eine eigene Kollektion heraus. Weil es aber überaus schwierig sei, eine relativ unbekannte Marke im Markt zu platzieren, brauche das einen langen Atem, weshalb man sich auf diesem Feld nicht weiter betätigt habe, soHammerschmidt.

Bei Toloop handele es sich mutmaßlich um einen der größten Strickereibetriebe in Apoldaund zudem um den einzigen, der nicht familiengeführt ist.

 

Mario Hammerschmidt betonte, dass sämtliche Mitarbeiter in der Vergangenheit ihre Löhne stets pünktlich erhalten hätten. Er selbst habe sich dafür eingesetzt. Zudem seien die Mitarbeiter durchgängig beschäftigt worden. Auch im kommenden Jahr könnte man noch locker produzieren, an genügend Aufträgen mangele es nicht. Allein wirtschaftlich betreiben lasse sich die Firma unter den genannten Bedingungen nicht mehr. Und das, obwohl man keinen einzigen Kredit laufen habe.

Dass die Textilbranche nicht zuletzt wegen der ausländischen Billig-Konkurrenz unter Druck steht, ist allgemein bekannt. Das hatte Folgen: Beschäftigte man Am Weimarer Berg 2002 noch 45 Mitarbeiter, schrumpfte deren Zahl bis 2008 auf knapp über 30.

 

Aktuell gibt es noch 18 Mitarbeiter, nachdem man 2013 noch 26 zählte. Der Altersdurchschnitt liegt bei 55 Jahren. Einige Arbeitnehmer gehen in Rente oder den Vorruhestand, andere suchen noch Alternativen. Den Verbliebenen sei jedenfalls zum Jahresende fristgerecht gekündigt worden. Einige sind seit der Wende dabei. Er habe mit jedem Einzelnen ein persönliches Gespräch geführt, so Hammerschmidt. Er versicherte, dass er in Fällen, in denen die Mitarbeiter das wünschen, bei der Suche nach einer neuen Stelle helfen werde. Derzeit seien noch vier von ihnen auf der Suche, wobei es sich um Fachleute handele - qualifizierte Stricker, Modellkonfektionärin und Spitzenprogrammierer.

 

Mit Blick auf die neun verbliebenen Strickmaschinen, die Dampf- und Bügeltechnik meinteHammerschmidt, dass es ihm am liebsten wäre, wenn er alles zusammen veräußern könnte, möglicherweise auch an einen ausländischen Interessenten.

 

Einzelne Mitarbeiter durchgehend am Standort

 

"Toloop Strickmoden & Design" steht quasi am Ende einer hiesigen Stricktradition, die sich beim VEB Thüringer Obertrikotagen anknüpfen lässt.

 

Dort begann Beatrix Bohne 1982 eine Lehre zur Sekretärin. Bis heute ist sie am Standort tätig. Im Zuge der Wende, erinnert sie sich, wurde der sozialistische Betrieb 1990/91 abgewickelt. Später entstand die TO Strickmoden AG, die mal eine Kollektion namens "Gramont" rausbrachte. Dann gab es eine wechselvolle Entwicklung, zu der mal die Firma TO Strick Creation, dann die "Toloop by U & B" gehörten, später die "Toloop Strickmoden & Design" GmbH.

 

 

Dirk Lorenz-Bauer / 20.09.14 / TA

 

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Il Sagoma Strickwarenfabrikation e.K.

 

Ich habe nicht in der Strickerei IlSagoma "einige Jahre an einer Flachstrickmaschine" gearbeitetet (diese Aussage wäre für Heiko Feist richtig). Ich habe dort lediglich in meiner damaligen Funktion als Servicetechniker der STOLL-Vertretung in Apolda zwei neue Flachstrickautomaten aufgestellt, in Betrieb genommen und den weitere Service dort erledigt. Dazu gehörte eben auch das Programmieren und das Vertrautmachen des damaligen Strickereileiters H. Feist mit dieser (für ihn) neuen Technik.